Update – Wechselmodel und Kindesunterhalt

13. August 2018Gabriele Lindhofer

Wenn sich getrenntlebende Eltern die Betreuung des gemeinsamen Kindes paritätisch, also 50 : 50 teilen, stellt sich die Frage nach der Zahlung des Kindesunterhalts.

Zunächst sollten die Eltern nach § 1612 BGB unbedingt eine gemeinsame Vereinbarung darüber treffen, die aber seine Grenzen in § 1614 BGB findet: auf Kindesunterhalt kann nicht verzichtet werden, denn es ist ein Anspruch des Kindes und nicht disponibel. Rechnerisch nicht richtig ist wechselseitig auf die Zahlung von Kindesunterhalt zu verzichten. Das wäre nur richtig, wenn beide Elternteile gleich viel verdienen würden. Verdient aber ein Elternteil mehr, müßte dieser sehr wohl noch Kindesunterhalt bezahlen. Wird die Sache streitig vor Gericht, ist dies eine sehr komplizierte Berechnung, will man die Quote eines jeden Elternteils unter Berücksichtigung des Kindergeldes und ggf. auch noch Mehrbedarf berücksichtigen. Deshalb empfiehlt sich eine Vereinbarung, die aber folgendes berücksichtigen sollte:

Für den Bedarf des Kindes wird das Einkommen beider Eltern zusammengezählt und der Bedarf nach der Düsseldorfer Tabelle ermittelt, Mehr- und Sonderbedarf dazugezählt und das hälftige Kindergeld abgezogen. Aus diesem Bedarfsbetrag wäre dann der Haftungsanteil (Zahlanteil) eines jeden Elternteils zu berechnen, grob gesagt, nach dem kaufmännischen Dreisatz, genauer gesagt, nach der Haftungsformel der Süddeutschen Leitlinien der Oberlandesgerichte (SüddL) Ziffer 13.3.

Fazit: Wer selber einigermaßen richtig rechnen will, zählt beide Einkünfte zusammen, sieht in der Düsseldorfer Tabelle nach, zieht das halbe Kindergeld ab und hat so den Bedarf des Kindes, den er jetzt über das jeweilige Einkommen quotenmäßig verteilt, also z.B. Bedarf 600 €, Vater Einkommen 4.000, Mutter Einkommen 2.000. Ergebnis Vater zahlt 400 €, Mutter 200 €. Über § 1612 BGB können die Eltern nun vereinbaren, welchen Anteil sie in Naturalleistungen gewähren. Im Grunde soll der Artikel nur verdeutlichen: Mit der Vereinbarung, der Kindesunterhalt hebt sich gegenseitig auf, ist es nicht getan, man muss schon etwas genauer hinsehen.

Gabriele Lindhofer

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