Reich durch Erbe – oder Betrug: Zur Plage der E-mails „Sie haben geerbt – zahlen Sie vorab nur die Bankgebühr?

2. November 2020Dr. Peter Schotthöfer

Es gibt Versender von eMails, die behaupten, den Empfänger nur aus altruistischen Gründen am eigenen Glück teilhaben lassen zu wollen

(“Ich habe in einer Lotterie 500 Mio $ gewonnen und möchte Sie an meinem Glück teilhaben lassen ..”) , also angeblich keine Gegenleistung verlangen.

Dann gibt es andere, denen es wohl nur um eMail-Adressen geht, die – wurden sie einmal durch eine Rückantwort bestätigt – als sichere, weil existente Adressen ver­kauft werden können.

Und schließlich gibt es noch eine dritte Gruppe, nennen wir sie die „Abzocker”, die sich genau aussuchen, an wen sie ihre emails verschicken und wie sie ihre “Kunden” am besten einwickeln können. Da ist dann von „Partner” oder “Freund” die Rede, von „Vertrauen”, das es für das gemeinsame Projekt benötige – und ähnlichen Schmei­cheleien. Diese Abzocker suchen sich ihre Opfer genau aus und bereiten sich auf sie vor. Man müsse nur eine „Gebühr“ für die Bank, die Dokumente etc. vorab überwei­sen und schon fließe das Erbe.

Sie gehen nicht darauf ein, wenn man ihnen vorschlägt, ihre Gebühren vom Nach­lass abzuziehen und den Rest zu überweisen.  Auch an der Zahlung des Nachlasses an einen deutschen Treuhänder wie einen Notar sind sie nicht interessiert, der die­sen Betrag erst dann auskehrt, wenn die Gebühr des US-Nachverwalters beglichen ist.

Einem Rechtsanwalt als Empfänger/Erben beispielsweise schreibt ein Rechtsanwalt (als angeblicher Nachlassverwalter), sozusagen von Kollege zu Kollege. Häufig tra­gen die Erben denselben Namen wie der Erblasser, um von vorneherein die „Ver­wandtschaft“ zu dokumentieren. Auch dürften die besonders Cleveren vorab recher­chiert haben, ob Vorfahren des Opfers tatsächlich einmal in die USA ausgewandert sind. Das lässt sich im Zeitalter des Internets alles relativ mühelos bewerkstelligen. Und dass viele Deutsche im vergangenen Jahrhundert, vor allem um die 1920er Jah­re aus Deutschland, hier vor allem aus der Pfalz in die USA emigiriert sind (Trump !!), dürfte allgemein bekannt sein und lässt sich heute noch anhand von Einwanderungs­listen nachvollziehen.

Wer aber immer noch an das große Erbe glaubt und noch nicht aufgegeben hat, für den hier einige weitere Hinweise:

– Einzugsermächtigung

Ist man sich nicht sicher, ob nicht doch ein echter Erbfall und kein Betrugsversuch vorliegt und sieht sich bereits als Millionenerbe, kann man über den verlangten Betrag eine Einzugsermächtigung erteilen, die man widerrufen kann, wenn der angebliche Gewinn innerhalb einer bestimmten Frist doch nicht eingeht. Das gilt allerdings nur gegenüber Banken innerhalb der EU und natürlich nur innerhalb der Gültigkeitsfrist. Schon deswegen Vorsicht, wenn eine Zahlung an US – oder andere Banken außerhalb der EU geleistet werden soll.

Wird die Überweisung an ein deutsches Bankinstitut verlangt, handelt sich idR um völlig unbekannte, meist sehr junge Banken, von denen noch nie jemand irgendet­was gehört hat. Die Bewertungen dieser „Bankhäuser” durch deren Kunden im Inter­net fallen z. T katastrophal aus (” .. Einlage nicht ausbezahlt …”, “Kein Kontakt mit der Hotline ..” etc. ). Auch die Auswahl solcher Banken deutet auf einen Abzockver­such hin.

US Nachlassvollstrecker

In den USA kann sich jedermann beim für den Verstorbenen zuständigen Nachlass-gericht als Nachlassverwalter/- sucher melden, die Erben suchen und dann als Nach­lassverwalter auftreten, also auch Rechtsanwälte.

Bezeichnet sich ein vermeintlicher US Anwalt auch als “Barrister”, ist Vorsicht ange­sagt, weil es diese Bezeichnung in den USA nicht gibt (in GB dagegen schon).

Auf jeden Fall sollte man eine Bestätigung des zuständigen Nachlassgerichts verlan­gen, wenn ein – echter oder unechter – Verwalter an einen herantritt. Aber auch dann bleibt Vorsicht geboten, weil sich solche – vermeintlich echten – Bestätigungen leicht fälschen lassen und auch gefälscht werden. Wenn dort z.B. der Supreme Court ( = das oberste US Zivilgericht ) als Aussteller der Bestätigung auftaucht mit Gerichts­stempel und Gebührenmarke, weiß man, dass etwas nicht stimmt, denn dieses Gericht stellt derartige Bestätigung nicht aus ( das macht übrigens auch kein deutsches Gericht ).

Einschaltung von deutscher bzw. amerikanischer Anwälte

Die Einschaltung von in der BRD ansässigen Anwälten wegen eines Erbfalles in den USA dürfte wegen der Besonderheit der Materie schwierig, zumindest aber sehr teuer werden, da dieser deutsche Anwalt uU einen weiteren, einen US – Anwalt ein­schalten wird. Andererseits kann man versuchen, mit dem US Anwalt direkt eine Vereinbarung zu treffen, bei der der Anwalt nur im Erfolgsfall einen Prozentsatz des vermeintlichen Erbes als Honorar erhält. Gibt es keinen Nachlass, gibt es dann auch kein Geld für den Anwalt.

Bei der Einschaltung amerikanischer Rechtsanwälte muss man wissen, dass diese ihre Tätigkeit meist nach Zeit abrechnen, weswegen eine Honorarvereinbarung vorab dringend empfohlen wird. Im Internet finden sich – z.B. auf den Websites der US – Anwaltsvereinigungen – Namen und Adressen entsprechender, auch deutscher oder deutschsprachiger Kollegen. Da ist der eine oder andere vielleicht auch bereit, einem deutschen Landsmann eine kurze, kostenlose Vorabeinschätzung zu geben.

Auch auf der Website des deutschen Auswärtigen Amtes kann man wegen eines Anwaltes in den USA fündig werden. Dort sind deutschlandaffine oder deutsche, in den USA ansässige Anwälte aufgeführt. Auch der Verfasser dieses Beitrages kann hier uU bei der Vermittlung behilflich sein.

Recht der Bundesstaaten

Eine amerikanische Besonderheit ist es, dass sich die Regeln der Nachlass-verwaltung nach Bundesrecht richten, also in jedem Bundesstaat etwas Anderes gel­ten kann. Deswegen sollte man nach einem US Anwalt nur dort suchen, wo der Ver­storbene seinen letzten Wohnsitz hatte bzw. wo er verstorben ist.

Aber das Wichtigste: Seriöse Erbenermittler werden – sowohl in der BRD als auch in den USA – keine Vorschüsse wofür auch immer verlangen.

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