Kosten des Scheidungsverfahrens

2. Juli 2019Gabriele Lindhofer

Die Berechnung der Verfahrenswerte und der daraus resultierenden Anwaltsvergütung und Gerichtskosten ist im Familienrecht nicht einfach und erfordert Spezialwissen,

wenn es ins Detail geht. Als grobe Richtlinie kann man dem ratsuchenden Mandanten aber folgendes an die Hand geben:

Der Verfahrenswert für die Scheidung errechnet sich zum einen aus dem 3 fachen Nettoeinkommen beider Ehegatten zum Zeitpunkt der Antragstellung, abzüglich einem Freibetrag von 250,00 € für jedes minderjährige Kind.

Pro Rentenanwartschaft werden nochmals 10% vom 3 fachen Nettoeinkommen dazugezählt.

Wer Vermögen hat, muss davon, abzüglich eines Freibetrags von 60.000 € pro Ehegatte und 30.000 € pro minderjähriges Kind, nochmal 5 % hinzusetzen. Das gibt dann den Verfahrenswert für das Scheidungsverfahren – ohne Folgesachen wie Unterhalt oder Zugewinn.

Kommt eine Folgesache dazu, z.B. Unterhalt, wird der Jahresunterhalt, also 12 Monate, weiter dazugezählt.

Kommt eine Zugewinnforderung dazu, wird die Höhe dieser Forderung hinzu addiert.

Sollte noch die Folgesache „Elterliche Sorge“ dazukommen, wird weiter ein Wert von idR. 3.000,00 dazugezählt. Alle Werte ergeben sich aus dem Gerichtkostengesetz und sind am Ende eines Verfahrens vom Gericht von Amts wegen festzusetzen.

Nun aber ein Beispiel: M verdient 3.000,00 €, F verdient 2.000,00 €, es gibt ein minderjähriges Kind. Die Ehegatten sind beide gesetzlich rentenversichert und 1 Ehegatte hat eine Riesterrente. Die Ehegatten haben eine Immobilie mit Wert 300.000 €, die mit einer Hypothek von 100.000 € belastet ist und ein Bankdepot mit 20.000,00 €. Die Ehefrau will 800,00 € Unterhalt für sich und die alleinige elterliche Sorge.

3.000 + 2.000 x 3 = 15.000- 250,00 Freibetrag                      14.750 (Scheidung)

3 Renten = 30 % von 15.000                                                     4.500 (Versorgungsausgleich)

Vermögen: 220.000 ./. Freibetrag 150.000 = 70.000 x 5 %     3.500 (Vermögen)

Unterhalt 12 x 800                                                                     9.600 (Unterhalt)

Sorgerecht                                                                                 3.000 (elt. Sorge)

Insgesamt                                                                               35.350

Daraus errechnen sich die Gerichtskosten mit 952 € und 2,5 Anwaltsgebühren mit 3.037,48 € für jeden Anwalt.

Hätte das Ehepaar kein Vermögen und würde auch sonst nicht streiten, wäre der Verfahrenswert nur 19.250 €, die Gerichtskosten 690 € und die Anwaltskosten  2.231,25 €. Für diesen Fall könnte die Scheidung auch nur mit 1 Anwalt durchgeführt werden, der den Antrag stellt.

Gabriele Lindhofer
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